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Tagebuch einer Kita-Eingewöhnung

Wenn Mama oder Papa wieder arbeiten gehen und das Kind in der Kita bleiben soll, ist das eine riesige Umstellung. Bei unserem ersten Sohn hatte ich schon Monate vor Ende der Elternzeit ein flaues Gefühl im Magen. Bei unserem dritten Kind war ich deutlich entspannter. Um Euch die Angst vor dem, was kommt, zu nehmen, habe ich unsere Eingewöhnung Tag für Tag aufgeschrieben.

Mit Gleichaltrigen spielt es sich doch am Besten: Krippenkinder ( Foto: Adobe Stock Foto)

Tag 0: Ein Nachmittagsbesuch

In unserer Kita ist es üblich, dass die Eltern mit ihrem Kind vor dem offiziellen Start der Eingewöhnung für eine Stunde an einem Nachmittag vorbeikommen. Machen wir natürlich auch. Das Wetter ist gut und die Kinder spielen im Garten. Die Hamburger Deern gesellst sich spontan zur Sandkasten Clique. Ihre Bezugspädagogin S. lernt sie und mich kennen und erzählt uns noch einmal, wie die Eingewöhnung ablaufen wird. Die Hamburger Deern stochert mit ihrer Schaufel im Sand. Als wir gehen müssen, wird sie kurz ungehalten. Ich habe ein gutes Gefühl. 

Tag 1: Start in der Krippe

Unser erster Tag in der Kita beginnt um 10.00 Uhr. Ich sage unser Tag, denn schließlich werden wir heute – wie auch in den nächsten Tagen – ausschließlich gemeinsam in der Kita bleiben. Unser Weg ist kurz, wir gehen zu Fuß. Die Hamburger Deern ist bester Dinge, weil wir ausgehen.

An der Tür ein Begrüßungsschild. Die Deern wird namentlich begrüßt. „Du gehörst zu uns. Schön, dass du da bist.“ Ich lese dieses Schild nun schon zum dritten Mal. Schließlich gewöhne ich heute unser drittes Kind in dieser Kita ein. Es verfehlt seine Wirkung dennoch nicht. Hach, ich bin ganz gerührt.

Bezugspädagogin S. wartet im Gruppenraum mit drei weiteren Kindern auf uns. Die anderen Kinder gehen heute raus, aber die Deern soll sich im kleinen Kreis an den neuen Gruppenraum gewöhnen. Wie nett. S. zeigt ihr ein paar klappernde Deckel. Die Deern versucht es auch, klappt aber nicht so ganz. Da gibt sie die Deckel lieber wieder an S. Die macht es bereitwillig noch einmal. 

Dann geht die Deern los auf Entdeckungsreise. Die Stühle haben es ihr angetan: Raufklettern, Runterklettern. Raufklettern. Schließlich fällt ihr ein Fuß auf den Zeh. Aua. Die Hausleitung hat das empörte Geschrei gehört und kommt mit einem Cool-Pad. Die Deern scheint zufrieden mit dem Service hier.

Draußen beginnt es zu regnen und die anderen Kinder kommen hinein. Die Deern schaut sie alle an. Ein 2-Jähriger steht vor ihr und streicht sich durch das Haar. Die Deern macht die Geste nach.

Für die anderen Kinder ist es bald Zeit Mittag zu essen. Für uns ist es Zeit nach Hause zu gehen. 

Tag 2: Kindertreff mit Kate

Heute startet unser Kita-Tag bereits um 8.30 Uhr. Das „Wir“ hat sich vergrößert. Da der Hamburger Jung heute schulfrei hat und ich keine andere Betreuung auftun konnte, ist er mit dabei. Ist für ihn ja auch eine Art Revival.

Heute steht für uns nicht nur eine kurze Spielzeit, sondern Frühstück, Kindertreff und die Spielzeit auf dem Programm. Vor dem Mittagessen werden wir uns dann wieder verabschieden. Aber erstmal Frühstück. Es gibt Gurke und Reiswaffel. Die Hamburger Deern isst alle Reiswaffeln, die ihr angeboten werden. 

Kindertreff. Alle Kinder, die Pädagogen und ich sitzen in einem Kreis und singen. Das Begrüßungslied ist noch das gleiche wie damals beim Hamburger Jung. Eine Nilpferd-Handpuppe namens Kate wird durch zärtliche Kinderrufe geweckt und zählt anschließend die Kinder. Vorher hat Kate der Pädagogin noch ins Ohr geflüstert, welches der Kinder aussuchen darf, wie die Kinder gezählt werden. J. darf aussuchen. Und er bestimmt, dass die Kinder am Kopf gezählt werden. Es sind 14 Kinder. Mit der Deern. Ohne den Hamburger Jung.

Ein Feuerwehr-Bilderbuch und Tatütata-Lied später wackeln 14 Ein bis Drei-Jährige in die Garderobe. Die etwas älteren kramen schon selbst nach ihren Schuhen. Die Pädagogen ziehen alle an. Dann geht es auf in den Garten.

Die Hamburger Deern läuft zielstrebig zur Sandkiste und macht mit ihren Schäufelchen herum. Um mich oder ihren großen Bruder schert sie sich nicht.

Dann schaukelt die Deern mit einigen Kindern in der Vogelnest-Schaukel. Ihr großer Bruder übernimmt das Anschubsen. Bei ersten Zeichen ihres Unmuts nimmt er sie hinaus. Unsere Jüngste scheint es sich jedoch anders überlegt zu haben. Und kaum berühren ihre kleinen Füße die Erde, stapft sie wieder los zur Schaukel, die ihr direkt ins Gesicht schaukelt. Aua. Die Deern weint. Sie ist jetzt auch müde. Es ist 10.15 Uhr.

Die Deern fängt sich. Sie will jetzt über die Holzbrücke zurück in die Kita. Oder durch das Gartentor nach draußen. Beides ist nicht erlauft. Bezugspädagogin S. fängt sie ein. Das findet unser Jüngste natürlich mega witzig. Holzbrücke. Gartentor. Holzbrücke. Gartentor. 

Um 11.00 Uhr gehen alle Kinder rein. Wir verabschieden uns in der Garderobe. Die Hamburger Deern winkt S. zum Abschied.

Zuhause schläft die Deern 2,5 Stunden. Es war ein anstrengender Vormittag.

Tag 3: Mein Herz schmilzt

Heute haben wir das gleiche Programm vor uns wie am Vortag. Start um 8.30 Uhr, Ende um 11.00 Uhr.

Die Deern lässt sich an der Garderobe begrüßen, wir ziehen Hausschuhe an und los geht’s. Statt in den Gruppenraum zu gehen, möchte sie heute lieber im Flur bleiben und mit den Spielzeugen an der Wand spielen. Das ist in Ordnung so, sagt S.

Fünf Minuten später geht die Hamburger Deern aber doch in den Gruppenraum. Sie spielt etwas abseits von den anderen Kindern mit einer Puppe, der sie laut schmatzende Küsse ins Gesichtchen drückt. Als es Zeit für das Frühstück ist, nimmt die 3-Jährige L. ihre Hand und führt sie zum Tisch. Die Deern läuft sehr selbstverständlich an der kleinen Mädchenhand mit. Mein Herz schmilzt.

Zum Frühstück gibt es heute Knäckebrot und Zwieback. Jedes Kind soll nehmen, was ihm am besten schmeckt. Ich bin kurz abgelenkt. Als ich meinen Blick wieder der Deern zuwende, hält sie in der linken Hand zwei Zwieback-Schnitten und in der rechten Hand vier Knäckebrote. S. sieht es im selben Moment und lacht. Noch darf die Deern alles. Nur wohl fühlen soll sie sich.

Kindertreff. Die Nilpferd-Handpuppe ist auch wieder dabei. Auf meinem Schoß sitzt die Hamburger Deern und der fast 3-Jährige J. Er hat mich ins Herz geschlossen und ich ihn auch. Gestern hat er gespielt, dass er mir Tomatensuppe kocht. Dann hat er mir die unsichtbare Suppe in seinem roten Puppengeschirr über mein Shirt gekleckert. Ich habe alles hingebungsvoll sauber gewischt. J. und die Deern vergraben ihre Händchen in meinem Dekolleté. 

Danach Spielzeit im Garten. Die Hamburger Deern spielt in der Sandkiste, kurz in der Schaukel, dann nochmal in der Sandkiste. Sie scheint sich wohl zu fühlen.

Als alle Kinder wieder rein gehen, verabschieden wir uns. 

Morgen soll die Deern zum ersten Mal für 30 Minuten alleine bleiben. Wie das wohl wird? 

 

Wollt ihr lesen, wie es weitergeht? In einer Woche, am Samstag, den 2. Dezember erscheint der zweite Teil unserer Kita-Eingewöhnung. 

 

  

 

 

3 Kommentare

  1. Pingback: Tagebuch einer Kita-Eingewöhnung, Teil 2 - Ahoikinder

  2. Liebe Ute,

    unsere Jüngste startet im Januar in der KiTa. Und obwohl sie auch nicht unser erstes Kind ist, ist mir doch schon wieder etwas mulmig. Vielen Dank, dass Du uns mitnimmst. Das macht Mut (und ist sehr süß)

    LG!

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