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Homöopathie für Kinder: Funktioniert das?

Vera Kaesemann ist einer der renommiertesten Kinderhomöopathen in Hamburg. Mit ahoikinder sprach sie über den Nutzen von Homöopathie für Kinder, über Antibiotikum und dauerkranke Familien.

Homöopathie für Kinder Vera Kaesemann Hamburg

Vera Kaesemann in ihrer Praxis für Kinderhomöopathie in Hamburg

Ich treffe Vera Kaesemann in ihrer Praxis für Kinderhomöopathie in Hamburg Rotherbaum zwischen Dammtorbahnhof, Uni und Alster. „Bringen Sie alle ihre Kinder mit. Je mehr desto besser“,  hatte Vera Kaesemann zu mir gesagt. Immerhin die Hamburger Deern habe ich heute tatsächlich dabei. Im großen Behandlungszimmer hat sie viel Platz zum Krabbeln und Entdecken. Der angrenzende Erker ist lichtdurchflutet und der schönste Platz in der Praxis. Er ist den Kindern vorbehalten. Hier stehen Bücher, ein Maltisch und Kisten voller Spielzeuge.

Ich bin heute hier, um mit Vera Kaesemann über Homöopathie für Kinder zu sprechen, Darüber, wann ich mit meinen Kindern zum Homöopathen gehen sollte.  Und darüber, was die Homöopathie kann, was Schulmedizin vielleicht nicht kann.

Homöopathie für Kinder Vera Kaesemann Hamburg Praxis

In der Praxis können die Kinder spielen und nebenbei beobachtet die Homöopathin Vera Kaesemann sie ganz genau …

 

Frau Kaesemann, was kann Homöopathie für Kinder?

Die Homöopathie soll das Kind in seinem ganz individuellen Sein begleiten und unterstützen. Sie stärkt die Lebenskraft des Kindes so, dass es sich optimal entwickeln kann. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und geistig. Das ist mein Anliegen. Wenn das richtige Mittel gewählt ist, ist das die sicherste Möglichkeit, um Kinder gesund zu erhalten. Die Homöopathie kann also auch eine wunderbare Prophylaxe sein. Oder sie kann helfen, die Kinder in ihrem Gesundwerden zu begleiten. Das ist großartig. Wir Homöopathen sind nicht gegen Symptome oder Erreger, sondern wir nutzen alle Informationen, um das passende Arzneimittel für das Kind zu finden. Denn Homöopathie heißt ähnliches mit ähnlichem zu heilen.

Was genau macht Homöopathie anders als die Schulmedizin?

Die Schulmedizin hat einen ganz anderen Ansatz. Sie nimmt ein Symptom und findet Arzneimittel, die dagegen sind. Deshalb hat sie jede Menge Anti- Mittel: Antibiotikum, Antihistaminika, Hemmer, Blocker usw. Bei der Schulmedizin wird unterdrückt und verschoben. Das kann hilfreich sein und Leben retten. Bei vielen Krankheiten, bedeutet Schulmedizin für den Körper aber auch zu scharf zu schießen. Nehmen Sie nur mal Antibiotikum. Immer wenn ein Antibiotikum eingesetzt wird, wird das Immunsystem unterdrückt. Der Körper bekämpft die Krankheit nicht selbst, sondern erhält Hilfe von außen. Das Antibiotikum aber verändert das körpereigene Milieu, so dass sich ganz schnell neue Erreger einnisten können. Das Antibiotikum schwächt das Immunsystem. Das nämlich arbeitet jetzt nicht mehr, um die Erreger abzuwehren, sondern baut darauf, dass ihm erneut von außen geholfen wird. Dann passiert genau das, was Sie nicht wollen. Das Kind wird wieder krank. Und wieder. Ein Teufelskreis. Verstehen Sie mich nicht falsch, manchmal muss Antibiotikum sein. Aber dann müssen wir danach daran arbeiten, dass Kind wieder aufzupäppeln, den Darm zu unterstützen  und es in seine Kraft zu bringen.

 

Homöopathie für Kinder Vera Kaesemann Hamburg

Kinderhomöopathin Vera Kaesemann malt mit der Hamburger Deern

Frau Kaesemann, ich war mit meinem Sohn einmal bei einer Homöopathin und wurde ewig lang befragt. Von den Umständen der Geburt, über seine Essgewohnheiten, bis zur Frage wie sehr er sich erschreckt, wenn plötzlich ein Staubsauer losgeht. Muss das wirklich sein?

Aber ja! Wir Homöopathen gehen ganz individuell auf die Kinder ein. Das macht eine lange Anamnese notwendig. Ich frage alles ab. Insbesondere kleine Kinder, die noch nicht selbst erzählen können, beobachte ich außerdem ganz genau. Fühlt sich das Baby auch einen kurzen Moment alleine wohl oder braucht es die ständige Nähe der Mutter? Wie sieht der Milchschorf aus? Außerdem versuche ich Besonderheiten herauszufinden. Wenn ein 2-Jähriger gerne Harzer Käse isst, finde ich das ungewöhnlich. Soviel über das Kind zu wissen, hilft mir das passende Mittel zu finden. Denn Mittel gibt es in der Homöopathie viele. Allein gegen Ohrenschmerzen, sind es ca. 375. Um das richtige für Ihr Kind zu finden, muss ich so viel wissen, ja! Die Homöopathie ist die individuellste Therapieform, die wir kennen.

Homöopathie für Kinder Vera Kaesemann Hamburg

In der Homöopathie gilt es, das richtige aus den vielen Mitteln zu finden. Ohne einen spezialisierten Homöopathen klappt das häufig nicht. Aus diesem Grund, wenden sich viele enttäuscht von der Homöopathie ab, so Kaesemann.

 Chronische Erkrankungen, Krankheiten ohne erkennbare Ursache oder doch nur die ganz normalen Infekte – mit welchen Krankheiten kommen Eltern mit Ihren Kindern zu Ihnen?

 Das hat sich sehr verändert! Früher gab es häufig die Auffassung‚ wenn alles andere nichts wirkt, versuchen wir es mal beim Homöopathen. Heute habe ich sehr viele Patienten, die ausschließlich zu mir kommen. Mit der ganz normalen Erkältung, mit Ohrenschmerzen, mit Bauchschmerzen, mit allem. Ich habe sogar Patienten, die als Kind von mir behandelt wurden und heute mit ihren Kindern wieder kommen. Das ist mir eine besondere Freude. Wer den Weg gehen will, sein Kind vorwiegend homöopathisch behandeln lassen zu wollen und nicht privat versichert ist, kann heute sehr einfach eine Zusatzversicherung abschließen. Die ist schon unter 10 Euro monatlich zu haben.

Familien haben ja oft das Problem, dass sich alle immer wieder gegenseitig anstecken. Kann die Homöopathie helfen?

Aber natürlich. Dieses Phänomen erlebe ich täglich in meiner Praxis. Und es gibt auch Gründe dafür, dass das so ist. Sehen Sie mal, es ist so: Wenn es nur um die Erreger ginge, die in der Familie kursieren, müssten alle Familienmitglieder sich anstecken. Und auch ich müsste ständig krank sein, weil ich hier mit den Erregern in Kontakt komme. Ich bin aber so gut wie nie krank. Wesentlich ist, auf welches Milieu der Erreger trifft. Wenn mein Körpermilieu intakt ist, kann mir fast nichts passieren. Deshalb bekämpfen wir nicht die Erregen, sondern unterstützen das Milieu. Ein starkes Milieu kann sich so mit den Erregern auseinander setzen, wie es sein soll. Und es verhindert, dass Eltern und Kinder erkranken. Außerdem gilt: Krankheiten sind auch ein Mittel des Körpers, notwendige Ruhe einzufordern. Wenn man Kindern diese Ruhe gönnt, sind sie danach auch richtig gesund. Und können gesund bleiben.

Liebe Frau Kaesemann, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

 

Homöopathie für Kinder Vera Kaesemann Hamburg
Vera Kaesemann war eine der ersten Homöopathen, die sich auf Kinder spezialisiert haben. Seit 22 Jahren arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis für Kinderhomöopathie – zunächst in Großhansdorf, jetzt in Hamburg Rotherbaum. Fast alle Kinderhomöopathen im norddeutschen Raum haben bei ihr ihre Ausbildung gemacht. Vera Kaesemann hat selbst drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Alle drei sind mit Homöopathie aufgewachsen.  

 

Ihr Lieben, wollt ihr mehr von Vera Kaesemann wissen?! Mein 2-stündiges Gespräch mit ihr ist wie im Flug vergangen und ich hatte das Gefühl, diese Frau hat noch jede Menge mehr zu erzählen. Zum Beispiel welche Essentials in eine homöopathische Reiseapotheke gehören. Oder aber welche psychosomatischen Gründe hinter häufigen Erkrankungen wie Ohrenschmerzen oder Bauchschmerzen stecken. Vera Kaesemann hat nämlich das Standardwerk „Krankheit als Sprache der Kinderseele“ geschrieben. Was interessiert Euch? Ich interviewe sie gerne noch einmal.

Außerdem interessiert mich: Bereicherung oder Schmu? Habt ihr schon Erfahrung mit Homöopathie für Kinder gemacht? Oder auch für Euch selbst? Hat es Euch geholfen? Oder gar nichts gebracht?

18 Kommentare

  1. Ela sagt

    Hallo Ute,
    danke für das tolle Interview! Ich war schon mal mit meinem Sohn beim Homöopathen und so richtig viel genutzt hat es nicht. Ich bin der Homöopathie und alternativen Heilmethoden dennoch weiterhin aufgeschlossen. Diese Homöopathin wirkt mir auch um einiges kompetenter als jene, zu der es mich damals verschlagen hat. Ein spezialisierter Homöopath ist bestimmt eine gute Idee …! Und wenn du schon so fragst: Psychsosomatische Gründe für Krankheiten insbesondere bei Kindern, finde ich total spannend!
    Alles Liebe und gute Gesundheit,
    Ela

  2. Kathleen sagt

    Reiseapotheke würde mich inetressieren! Auch wenn es wahrscheinlich schwierig ist, das genau passende Mittel dabei zu haben???

    • Panagrellus sagt

      Tipp: Packen Sie doch einfach ein Fläschchen „unarzneiliche Rohglobuli“ in Ihre Reiseapotheke ( googlen für Quellen, ich will hier keine Werbung machen). Vor der Einnahme schreiben Sie dann einfach den gewünschten Namen der Arznei auf’s Etikett.

      Sie werden jetzt denken, ich will Sie auf den Arm nehmen, aber bitte beachten Sie: Kein Homöopath, kein Arzt und kein Chemiker wird in der Lage sein, Ihnen einen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beliebig etikettierten Rohglobuli und z.B. Arnika C30 zu demonstrieren. Weder in der chemischen Analyse noch in der Wirkung auf Patienten.

      • M. Sandvoss sagt

        unsinn, was du da erzählst. indische wissenschaftler haben längst entsprechende nano-partikel in den arzneien gefunden.

  3. Lisa sagt

    Ich gehe mit meinen beiden Kindern und auch für mich selbst häufiger zum Homöopathen und habe damit beste Erfahrungen gemacht. Beim normalen Kinderarzt wird man doch immer nur schnell mit irgendeinem Medikament abgefertigt. Und wenn ich wirklich fieber senkende Mittel geben will, muss ich deswegen nicht zum Kinderarzt gehen. Das schaffe ich auch so.

  4. David sagt

    Ich finde, es gut, dass Du das Thema aufgreifst! Ich selbst habe meine Meinung zu dem Thema in 11einhalb Jahren Vater-Dasein zigmal gewechselt – nach dem Interview finde ich Homöopathie wieder ganz sinnvoll 😉

  5. Barbara sagt

    Vielen Dank für das Interview.
    ich hatte ja schon mal geschrieben, dass mich die Reiseapotheke interessieren würde…
    Mein Mann und ich sind beide mit Homöopathie aufgewachsen, unsere Kinder sind auch (ab und an) bei unserer Heilpraktikerin und auch unsere HNO behandelt homöopatisch 🙂 . Leider hält unsere Kinderärztin nix von diesem „Hokus-Pokus“ :/ und unsere Heilpraktikerin ist einfach zu weit weg, als dass wir da einfach mal vorbei kommen könnten, wenn die Kinder krank sind

  6. Panagrellus sagt

    Wer wirkstofffreie Zuckerkügelchen schlucken will, trotz den eindeutigen Erkenntnissen der Wissenschaft (= Effekte der Homöopathie sind ausschließlich Kontext- und Placeboeffekte), soll das gerne tun. Wenn Kinder ernster krank sind, muss man allerdings zum Arzt gehen, deshalb finde ich diese Aussage von Frau Kaesemann problematisch:

    “ Heute habe ich sehr viele Patienten, die ausschließlich zu mir kommen. Mit der ganz normalen Erkältung, mit Ohrenschmerzen, mit Bauchschmerzen, mit allem.“

    Erkältung, ok.
    Ohrenschmerzen: Sehr grenzwertig. Nicht jede Mittelohrentzündung muss man mit Antibiotika behandeln, bei Kindern ist das aber oft geboten – und das sollte ein Arzt entscheiden, kein Heilpraktiker. Sonst drohen z.B. Hörschäden.
    Oder Schlimmeres. Siehe
    https://www.suedtirolnews.it/italien/ohrenentzuendung-mit-homoeopathie-behandelt-bub-stirbt

    Bauchschmerzen: Auch da würde ich mich nicht auf Esoteriker verlassen, wenn es länger anhält und mehr als ein Grummeln ist.

    • M. Sandvoss sagt

      homöopathie ist nicht einfach in der anwendung. fachgerechte homöopathie setzt tausend mal weniger schäden als die allopathie. rätst du also von allopathie ab?

  7. Thomas Rindt sagt

    In meinen Augen ein unverantwortlicher Beitrag mit sehr vielen nicht haltbaren Behauptungen! Keine einzige kritische Anmerkung zu der erwiesenen spezifischen Wirksamkeit von Homöopathika, die über Placebo-Effekt hinaus gehen. Kein aufzeigen von Grenzen: ist es schon sehr fragwürdig, gesunden Kindern Homöopathika zu geben („wirf mal die Globuli ein – dann gehts dir immer gut“ tolle Prägung!), kann man es vielleicht noch akzeptieren, solche Mittelchen bei harmlosen Infekten oder Einschränkungen des Wohlbefindens, die eh von allein verschwinden würden , zu verabreichen (in erster Linie wohl zur Beruhigung der Eltern: ich tu ja was), wird es gemeingefährlich bei echten und besonders bei bedrohlichem Erkrankungen! Eine Unterlassung, die grob Fahrlässig ist!

    Von dem Geschwurbel der“Homöopathin wollen wir mal nicht reden – bei Erwachsenen kann man sagen: jeder soll machen, was er will, man ha tja ne Eigenverantwortung. Wer sich gefährden will oder zumindest zu viel Geld hat (ich kauf meinen Zucker lieber im Laden für unter einen Euro das Kilo – anstatt für selbigen in Kügelchenform teilweise für 10 Gramm über 10 € hinzu blättern…) sei nicht daran gehindert, diesem Glaubenskonstrukt zu folgen – aber Kinder sind abhängig und können sich nicht frei entscheiden bzw. die Folgen des Handelns und die gefahren abschätzen – sie gilt es dringend zu schützen.

    Diesem Schutz haben Sie mit dem Artikel einen Bärendienst erwiesen!

    • M. Sandvoss sagt

      wer interesse an der wahrheit hat, findet verläßliche studien, die belegen, dass homöopathie über dem placebo-effekt wirkt.- ich empfehle, hier nicht alte, enge paradigmen auszubreiten, herr rindt.

  8. Thomas Rindt sagt

    Sorry – muss oben natürlich heißen:

    zu der erwiesenen UNWIRKSAMKEIT von Homöopathika!

    Aber aus dem Rest des Beitrages sollte man erkennen können, dass es sich nur um einen Flüchtigkeitsfehler handeln kann!

  9. Sam sagt

    Ich muss leider auch anmerken, dass ich der Homöopathie auch eher kritisch gegenüpberstehe. Wenn mein Kind z.B. Husten hat, dann versuche ich es erst mit pflanzlichen Mitteln (inhalieren, Brustwickel und ätherischen Salben) – wenn das nichts bringt, dann gibt es eben den einen klassischen Hustensaft. Mein Menschenverstand sagt mir einfach, dass stark verdünnte Zuckerkugel da einfach keine Wirkung haben können.
    Wir haben hier nun mal das Glück eine top gesundheitliche Versorgung und Kinderärzte zu haben – diese haben jahrelang studiert und ich vertraue ihrem Fachwissen.

  10. Stefanie sagt

    Ich selbst hatte mal Hautauschläge, mit denen ich von Arzt zu Arzt gerannt bin und bei denen mir schließlich ein Homöopath wirklich weitergeholfen hat. Auch mit meinen Kindern war ich wegen diesem und jenem schon beim Homöopathen. (Zum klassischen Kinderarzt gehen wir aber auch) Mein erster Sohn hat als Baby wahnsinnig viel geweint, mit Homöopathie wurde es besser. Kann Zufall sein, Placebo, vielleicht hat uns auch die Zuwendung geholfen oder alles ist nur Quatsch. Ich weiß es nicht. Im Grunde gilt aber doch auch hier die alte Regel: wer heilt, hat recht. Ich halte einen guten Mix aus Schulmedizin, Homöopathie und Naturheilkunde für durchaus wertvoll und gesund. Und übrigens zahlen mittlerweile ja sogar Krankenkassen Homöopathie. Kann sein, dass sie damit Mitglieder werben wollen. Kann aber eben auch sein, dass sie doch einen gesundheitlichen Nutzen vermuten. Für mich, wie gesagt, gilt: wer heilt, hat recht 😊

  11. Sina sagt

    Ich bin auch mit Homöopathie aufgewachsen und empfinde sie als eine wertvolle Bereicherung – auch im Leben meiner Kinder.

  12. Immer wieder heißt es „Kinder kennen doch keinen Placebo-Effekt“. Und: „Deshalb ist das doch wohl der Beweis, dass Homöopathie funktioniert! Kinder können doch nicht denken: Ach so, ich bekomm jetzt Globuli, und deshalb soll es mir jetzt besser gehen. Kinder glauben doch noch nicht an die Homöopathie!“
    So oder ähnlich wird gerne gesprochen, wenn es darum geht, ob Homöopathie denn nun bei Kindern wirksam ist oder nicht.

    Doch was bedeutet der Placbeo-Effekt eigentlich genau?

    Ursprünglich bedeutet Placebo wörtlich so etwas wie „Ich werde gefallen“, etwas salopper übersetzt „Ich werde dir helfen“. Zum einen ist damit das Placebo gemeint, also das Scheinmedikament, das keinen Wirkstoff enthält, aber dennoch eine Reaktion im Patienten auslösen kann, da er meint Hilfe zu bekommen. Die Wirkung wird also nicht etwa durch einen pharmakologischen Inhaltsstoff möglich, sondern durch die Bedeutung, die der Tablette (dem Globulum) zugeschrieben wird. Dennoch kann diese Reaktion durchaus messbar und objektiv nachvollziehbar ausfallen.

    Zum andern ist damit aber auch der Akt der Zuwendung gemeint. Jede Mutter vollbringt Placebo-Therapie, wenn sie ihrem Kind liebevoll auf ein „Aua“ pustet, ein Trostpflaster aufklebt oder wenn sie es in den Armen wiegt. Tatsächlich „wirkt“ eine solche Handlung nicht, praktisch weiß jeder, dass das Kind nach ein paar Minuten des Tröstens wieder munter davonspringt oder beruhigt einschläft (gut, nicht immer 😉 ). Es hat also geholfen.
    Die Homöopathie ist nun besonders geschickt darin, diese beiden Mechanismen zu benutzen. Sie verabreicht einerseits wirkstofflose Tablettchen und sie verbindet dies oft mit einem Ritual an Zuwendung, Empathie und mit der Kraft guter Erfahrungen. Die Globuli tragen somit die Bedeutung „ich lasse Dir Hilfe zuteil werden, liebes Kind“ und zwar ohne, dass dies unbedingt in Worte gefasst wird. Die Mutter strahlt aus, dass sie helfen kann, dass sie etwas tun kann, dass sie sich von den Globuli Hilfe verspricht, das Kind bekommt etwas, das ihm helfen soll, es nimmt wahr, dass es mit seinem Problem nicht allein gelassen wird. Das tut gut. Beiden. Die Mutter (der Vater) beruhigt sich, und auch das tut beiden gut. Und das müssen keine krassen Verhaltensänderungen sein, Kinder und Babys spüren intuitiv kleinste Veränderungen. Sie sind so abhängig von uns, dass sie mit feinsten Antennen ausgestattet sind.

    Natürlich helfen auch andere Rituale (warmer Tee, Vorlesen, etc.), doch die ausdrücklich medizinische Ausrichtung der Homöopathie verstärkt den „Ich kann und werde dir helfen“ Effekt sehr positiv. Man tut nicht irgendwas, sondern etwas, das (vermeintlich) medizinisch Sinn macht.

    Auch das anschließende Warten auf die Genesung ist nun nicht mehr ein bloßes Ausharren, sondern ein „Lass uns schauen, wie die Globuli wirken“. Es besteht Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven verändert – und siehe da, es verändert sich tatsächlich. Gefühlt auch schneller, also ohne die Möglichkeit, etwas Gutes getan zu haben. „Wirken“ die ersten Globuli nicht, so schlagen wir noch einmal in unseren Repertorien nach, geben andere Globuli und das Abwarten fällt wiederum leichter. Schließlich aber heilt die Krankheit von alleine aus, vergehen die Beschwerden von selbst und wir sind überzeugt, die Globuli haben ein kleines Wunder vollbracht – und geben sie deshalb beim nächsten Mal mit neuer Überzeugung. Die Male, bei denen die Globuli nicht geholfen haben, vergessen wir rasch oder entschuldigen sie mit „da haben wir eben das richtige Mittel nicht rechtzeitig gefunden“. Ein praktisches und hilfreiches System. Aber wir unterliegen da einem heimtückischen Bestätigungsfehler.

    Problematisch wird es dann, wenn wir so sehr von der Homöopathie überzeugt sind, dass wir nicht mehr die obigen Erklärungen für die Wirkung verantwortlich machen, sondern eine Information oder Energie in den Globuli. Natürlich könnte man sagen, dass die Globuli tatsächlich eine Information beinhalten: die Information „Ich werde dir helfen“. Aber das ist ja nicht das, was die Homöopathen meinen. Die meinen eine nicht nachvollziehbare oder erklärbare Information, die sich weder bislang finden ließ noch in Zukunft gefunden werden kann. Problematisch wird es auch dann, wenn sich durch solche vermeintlich positiven Erfahrungen der Glaube an die Globuli etabliert und man denkt, auch schwer Erkrankungen könnten so „natürlich“ behandelt werden. Nein, schwere Erkrankungen können schwere Folgen haben und diese lassen sich durch die genannten Effekte zwar vielleicht leichter ertragen, aber geheilt werden sie dadurch nicht. Und das, finde ich, dürfen wir unseren Kindern nicht zumuten.

    Ich bin auch kein Fan davon, jedem Kind bei einem kleinen Schnupfen sofort ein Antibiotikum zu verschreiben und ich gebe auch zu, dass mir das Abwarten bei banalen viralen Infekten bis zur Besserung mit der Möglichkeit von homöopathischer „Therapie“ leichter fiel bei meinen Kindern, aber es ist dennoch ein Glück, dass wir für schwere Fälle die normale Medizin und wirkliche Medikament haben. Für die leichteren Fälle dürfen es dann auch mal die „Zauberkügelchen“ sein – wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass wir damit eigentlich nur ein erweitertes „Heile, heile Segen“ singen.

    • M. Sandvoss sagt

      frau grams, lernen Sie eigentlich noch dazu? wie kann denn der placebo bei pflanzen wirken? wie bei bewußtlosen patienten? wie bei schwerer pathologie, wenn der nette allopath nicht helfen konnte, der muffelige homöopath, der nur ins repertorium schaute, aber sehr wohl?
      außerdem müssen Sie nicht überall rumkommentieren und die homöopathie versuchen, schlecht zu machen. weltweit gibts täglich zigtausend geheilte patienten durch die homöopathie, oftmals wenn der allopath nichts, aber auch gar nichts mehr machen konnte, oder sogar die zu behandelnden schäden gesetzt hat.

  13. Ute Vaut
    Ute Vaut sagt

    Danke für Eure kontroverse Diskussion hier! Es haben sich auch ganz schön viele zu Wort gemeldet, die dem Thema Homöopathie kritisch gegenüberstehen! Und wahrscheinlich sogar nur für diesen Beitrag auf meinem Blog gelandet sind. Zu recht merkt ihr an, dass es gefährlich sein kann, die Schulmedizin durch den Homöopathen zu ersetzen Ja, ja, ja! Das sehe ich doch gar nicht anders als ihr. Und Frau Kaesemann wahrscheinlich auch nicht. Auch wenn sie im Interview erzählt hat, dass sie viele Patienten hat, für die SIE erste Ansprechpartnerin ist. (Ebenso hat sie aber auch gesagt, dass sie gar nicht gegen Schulmedizin ist und dass diese wichtig ist und Leben retten kann) Wir gehen natürlich auch zur Kinderärztin! (die absolute Schulmedizinerin ist und mir trotzdem nicht ins Gesicht springt, wenn ich ihr sage, dass wir auch mal zum Homöopathen gehen – zumindest solange wir stiko-ordnungsgemäß impfen 😉 ).

    Gerade mit Kindern finde ich es bereichernd und schön bei diesem und jenen ein bisschen links und rechts zu schauen. Viele von Euch beschreiben hier, dass die Homöopathie ihnen geholfen hat und ihnen einfach grundsätzlich sympathisch ist.

    Natalie Grams hat sehr anschaulich beschrieben, warum die Homöopathie manchmal vielleicht wirkt ohne wirklich gewirkt zu haben. Mag ja sein, dass alles nur ein Placebo-Effekt ist. Dass Krankheiten mit der Zeit genauso ohne die Globuli geheilt wären. Mag auch sein, dass vielen Familien die individuelle Zuwendung einfach gut tut. Ich halte es da genau wie meine Leserin Stefanie: Wer heilt, hat recht! Solange die Homöopathie Familien hilft, hat sie auch ihre Berechtigung. Und da ich den Eindruck hatte, dass Frau Kaesemann sehr verantwortungsbewusst und hochspezialisiert mit den Familien umgeht und eine interessante Perspektive auf Kindergesundheit eröffnen kann, habe ich das Interview mit ihr hier gerne veröffentlicht.

    Ob mit oder ohne Globuli – Gute Gesundheit für Euch alle,
    Ute

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