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Kinderzähne von A bis Z

Wir haben die Kinderzahnärztin Stefanie Riecke befragt und präsentieren Euch heute die ihre zahnmedizinische Meinung im Lexikon – von Apfelschorle bis Zahnungsschmerzen.

 

Zahnlücke

Kinderzähne sind immer ein Thema – egal ob Baby oder Schulkind

Apfelschorle

Egal wie stark Apfelsaft mit Wasser verdünnt wird, immer beinhaltet er Säure und Zucker. Beides greift die Zähne an. Deshalb gilt für Apfelschorle wie für alle anderen Saftschorlen auch: So wenig wie möglich und idealerweise nur zu den Mahlzeiten, nach denen die Zähne geputzt werden. Wer etwas anderes als Wasser oder ungesüßten Tee zwischendurch trinkt, gibt dem Mundraum keine Chance, seinen PH-Wert zu neutralisieren. Das aber ist wichtig, um vor Säureangriffen und Karies zu schützen!

Daumennuckeln

Jede Form des Nuckelns führt auf Dauer zu Verformungen des Kiefers. Da ist es ganz egal, ob am Schnuller, am Daumen oder an einem Teddybär genuckelt wird. Natürlich kann man einen Schnuller irgendwann leichter wegnehmen. Als Mama weiß ich aber auch: Wenn ein Kind sich den Daumen ausgesucht hat, haben Eltern kaum eine Chance, ihm stattdessen einen kiefergerechten Schnuller schmackhaft zu machen. Ich empfehle, im engen Kontakt mit dem Kinderzahnarzt zu bleiben, damit die Verformung kein Übermaß annimmt und frühzeitig eingegriffen werden kann. Wenn es ans Abgewöhnen geht, bitte keinen Druck auf die Kinder ausüben! Eltern sollten warten, bis die Kinder das Nuckeln am Daumen selbst loswerden wollen. Spätestens mit Beginn der Schulzeit ist es meistens soweit. Bei der Abgewöhnung können zahnmedizinische Apparaturen helfen. Einfach mal beim Kinderzahnarzt nachfragen.

Elektrische Zahnbürsten

Kinder sollten Handzahnbürsten benutzen. Das schult die Feinmotorik, die es braucht, um die Zähne gründlich zu reinigen. Außerdem entspricht es eher dem kindlichen Naturell, selbst zu putzen, als die rotierende Zahnbürste still an den Zahn zu halten. Eltern können die Elektrische Zahnbürste gerne zum Nachputzen benutzen. Allerdings nur, wenn die Kinder das tolerieren. Manchen kitzelt es zu sehr.

Erster Zahnarztbesuch

Gegen Ende des ersten Lebensjahres sollten Kinder zum ersten Mal zum Zahnarzt gehen. Das ist wichtig, um frühzeitig Schäden an den Zähnen zu erkennen, und die Eltern über den Zustand der Mundgesundheit und eine gesunde Ernährung aufzuklären. Wenn die Kinder ihren ersten Zahnarztbesuch erst mit zwei oder drei Jahren machen, können die Schäden schon so groß sein, dass schwerwiegendere Behandlungen notwendig werden. Das wollen wir natürlich vermeiden.

Fluorid

Bitte Zahnpasta mit Fluorid benutzen. Denn Zähne, an die regelmäßig Fluorid herangeführt wird, werden widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen, und Karies kann nachweislich besser vorgebeugt werden.

Kinderzahnarztpraxis

Wenn möglich, empfehle ich mit Kindern immer den Kinderzahnarzt aufzusuchen. Denn: Die universitäre Ausbildung bereitet Zahnärzte ohne Spezialisierung meistens überhaupt nicht auf die Behandlung von Kindern vor. In der Kinderzahnarztpraxis sind wir vollkommen auf die kleinen Patienten eingestellt. Wir haben gelernt, in kindgerechter Sprache durch die Behandlung zu führen, wir kennen uns mit Kinderzähnen aus und das Ambiente ist kindgerecht – von den Spielmöglichkeiten im Wartebereich bis zum Fernseher über dem Zahnarztstuhl. Kinderzahnärzte können auf Grund ihrer Erfahrung gut einschätzen, was das jeweilige Kind braucht, um angstfrei durch die Behandlung geführt zu werden. Manchmal reicht ein bisschen Ablenkung oder der Fernseher – manchmal sind Sedierung oder Narkose notwendig.

Milchfläschchen

Aus zahnmedizinischer Sicht sollten Kinder in der Nacht keine Milch trinken. Sind Milchreste zu lange und zu oft im Mund, kann dies zur Entstehung von Karies führen. Als Mama weiß ich, dass nachts manchmal kein Weg an der Milch vorbei führt. Als Kinderzahnärztin empfehle ich: Die Milch bitte vor dem Zähneputzen. Niemals zum Einschlafen, niemals zum Dauernuckeln! Wenn das Kind nachts trinkt, sollte der Mund mit einem Tuch ausgewischt werden. Idealerweise trinkt das Kind nachts nur, wenn es Hunger hat, nicht um sich zu beruhigen. Sobald das Kind vier bis fünf feste Mahlzeiten am Tag isst,  ist der richtige Zeitpunkt, auch das Milchfläschchen in der Nacht abzugewöhnen. Dann sollte nur noch Wasser im Fläschchen sein.

Nachputzen

Bis das Kind fließend und rund Schreibschrift beherrscht, sollten Eltern nachputzen. Erst dann ist die Feinmotorik des Kindes so weit ausgeprägt, dass es selbst zuverlässig putzen kann. Bis dahin putzen die Kinder mit steigendem Alter natürlich immer besser und länger selbst vor, nachgeputzt werden muss trotzdem.

Schnuller

Alle Schnuller rufen bei langem und übermäßigem Gebrauch Verformungen hervor. Als Kinderzahnärztin empfehle ich kiefergerechte Schnuller. Aber ja, auch das weiß ich als Mama: Es gibt Babies, die nur ein bestimmtes Modell wollen, da sind Eltern chancenlos. Dann sollte der Schnuller zumindest altersgerecht sein. Wenn der Saugkegel zu klein ist, drückt er sehr punktuell auf den Kiefer, das führt zu stärkeren Verformungen und ist später schwieriger zu korrigieren.  Ansonsten gelten die Grundregeln beim Schnullern: Den Schnuller immer nur geben, wenn das Kind danach verlangt. Zum Sprechen aus dem Mund nehmen. Mit zunehmenden Alter sollte der Einsatz des Schnullers reduziert werden. Zum Beispiel nicht mehr auf dem Spielplatz, nur noch zum Einschlafen und so weiter. Bis zum dritten Geburtstag sollte der Schnuller möglichst abgewöhnt sein.

Snacks

Fünf Mahlzeiten pro Tag sind für Kinder ausreichend. Dazwischen zu essen, ist eigentlich überflüssig. Für den Spielplatzbesuch am Nachmittag heißt das: Lieber einmal hinsetzen und essen, als ständig zwischendurch zu snacken. Gesunde Zwischenmahlzeiten entsprechen auch aus zahnmedizinischer Sicht einer ausgewogenen Vollwertkost. Nicht nur weiche Brötchen, nicht zu oft Obst-Quetschies, möglichst wenig Süßigkeiten, nicht nur Obst, lieber Rohkost.

Süßigkeiten

Auch Kinderzahnärzte verbieten keine Süßigkeiten. Aber: Die tägliche Menge sollte immer altersentsprechend sein, und die Süßigkeiten sollten möglichst in Verbindung mit einer Hauptmahlzeit gegessen werden. Aber Vorsicht: Zu Süßigkeiten zählen auch Honig, Nutella, Marmeladen und das Schokomüsli am Morgen. Eine gute Richtlinie für die maximale Menge ist die Kinderhand. Eine Handvoll Gummibärchen sind okay (wenn es nicht am Morgen Marmelade und am Abend Nutella gibt), gleiches gilt für Eis. Mehr als eine Kugel muss nicht sein …

Wackelzahn

Wackelzähne sind in der Regel kein Grund, zum Zahnarzt zu gehen. Manchmal wackeln Zähne sehr lange, bevor sie ausfallen. Das gilt insbesondere, wenn der neue Zahn in „zweiter Reihe“ nachwächst. Das ist alles in Ordnung. Kinder und Eltern müssen hier ein bisschen Geduld haben. A Propos „Zähne in zweiter Reihe“. Dies ist meistens kein Grund zur Sorge.  Der neue Zahn wächst und die Zunge schiebt ihn irgendwann ganz allein nach vorn, der Milchzahn wackelt dann stärker und fällt aus.

Zähne putzen

Drei Mal am Tag, nach den Mahlzeiten, sollten Zähne geputzt werden. Das gilt auch für Kinderzähne. Bei den Kleinen gibt es noch keine Zeitvorgabe. Die Eltern sollten immer das Gefühl haben, jede Stelle gut erreicht zu haben. Die meisten Kinder, gerade die Kleinen unter drei Jahren, wehren sich sehr beim Nachputzen. So schwer es auch fällt: Die Eltern müssen das Kind dann festhalten, natürlich ohne ihm dabei weh zu tun. Damit das Zähneputzen nicht zum Dauer-Kampf wird, können immer wiederkehrende Reime oder Lieder helfen. Auch mit der Zahnbürste Jagd auf Karies und Baktus machen, kann die lästige Pflicht in Spaß verwandeln. Tipp: Am besten funktioniert das Nachputzen, wenn das Kind liegt. Dann haben Eltern die beste Übersicht.

Zahnseide

Wenn die Zähne des Kindes eng stehen, sollten sie jeden Abend vor dem Zähneputzen mit Zahnseide gereinigt werden. Für Kinder gibt es Zahnseidenhalter. Achtung: Zahnseide, egal ob mit Halter oder ohne,  gehört bis zum Schulalter in Elternhand. Sonst drohen böse Verletzungen im Zahnfleisch. Niemals benutzen: Zahnseide mit Geschmack und Süßungsstoffen. Und auch bitte keine Zwischenraumbürstchen. Denn: Milchzähne stehen flächig aneinander, dazwischen ist nicht genug Platz für die Bürstchen. Die Benutzung kann zu  Verletzungen führen.

Zahnungsbeschwerden

Bei meinen Kindern haben tatsächlich die Globuli Osanit geholfen. Schulmedizinische Hilfe verspricht das Zahnungsgel Dentinox, das ist vor allem oberflächenbetäubend. Viele Kinder mögen allerdings den Geschmack nicht. Kühlende Beißringe verschaffen Linderung. Manche Mütter schwören auf Bernsteinketten oder Veilchenwurzeln, damit habe ich allerdings keine Erfahrung. Was viele nicht wissen: wenn das Kind sehr leidet, darf auch ein Schmerzmittel in üblicher Dosierung gegeben werden (Gewicht und Alter des Kindes beachten!).

zahnarzt_stefanie_riecke_kinderzahnaerztin_klStefanie Riecke ist Kinderzahnärztin und Mutter von zwei Jungs (6 und 4). Ihre Kinder benutzen  schon Zahnseide. Dafür gibt es aber auch mal Gummibärchen – und bei Sonnenschein ein Eis.

 

Liebe Stefanie Riecke, wir danken für die vielen Tipps und das interessante Gespräch!

 

 

 

5 Kommentare

  1. DAs ist ja ein superinformativer Text! Danke! Aber eine Antwortfehlt mir noch… was ist mit dem nächtlichen Stillen, wenn die Kinder schon Zähne haben? Mein Kleiner ist fastdrei und will nachts noch ran… Ich habe da bisher nur widersprüchliche Antworten recherchiert – die einen sagen, schadet wie Nuckeflasche, andere sagen, die Milch wird anders getrunken und umspült beim Stillen die Zähne nicht. Meine Zahnärztin tendiert zu ersterem, kann es aber auch nicht genau beantworten… weiß Deine Interviewpartnerin da Genaueres? Liebe Grüße!

    • Liebe Nathalie!
      Das Stillen kann tatsächlich zu einer sogenannten Stillkaries führen. Die Hebammen sagen zwar, dass die Brustwarze beim Stillen weit hinten im Mund liegt und die Milch die Zähne eigentlich nicht umspült, aber jede stillende Mütter kennt es, wenn die Milch am Mundwinkel hinausläuft. Das bedeutet, die Milch kommt natürlich auch in Kontakt mit den Zähnen und Milchreste verbleiben in den Wangentaschen und Umschlagfalten. Diese müssten nachts entfernt werden. Gerade beim verlängerten Stillen ist die Gefahr einer Stillkaries größer. Geh doch einfach für die nächste Kontrolle in eine Spezialpraxis und besprich das dort noch einmal.
      VG

  2. Ein sehr informativer Text, vielen Dank!
    Wir haben auch überlegt ob wir in die Kinderzahnarztpraxis gehen, aber wir sind so zufrieden mit unserem Zahnarzt und er sagte, er sei da durchaus kompetent, was die Kleinen angeht. Außerdem hat er eine Zahnarzthelferin aus einer Kinderzahnarztpraxis, das ist für uns eine prima Mischung. So kam es dann auch dazu, dass unser Kleiner bei seinem ersten Zahnarztbesuch richtig viel Spaß hatte. 🙂

  3. Pingback: Aua, die Zähne kommen! - Ahoikinder

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