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It’s a girl!

Leute, es ist unfassbar! Zu unseren zwei Jungs bekommen wir doch jetzt tatsächlich noch ein Mädchen. Warum wir uns riesig freuen und ich mich gleichzeitig ärgere, dass die ganze Welt so tut, als sei dies die einzig denkbar gute Nachricht.

sleeping newborn baby on a blanket with a teddy

Wie könnte ein Baby jemals eine Enttäuschung sein? Egal ob Junge oder Mädchen? Foto: fotolia

Ja doch, ich gebe es zu. Irgendwie haben wir uns das schon gewünscht. Noch ein kleines Mädchen zu unseren beiden Jungs. Weil wir dann auch eine Tochter haben. Weil ich es mir leichter vorstelle Schwester von zwei großen Brüder zu sein, als kleiner Bruder von zwei großen Jungs. Immerhin muss dieses Kind nicht noch lauter, schneller, stärker sein, um sein Alleinstellungsmerkmal in der Familie zu finden, sondern es kann einfach ein Mädchen sein. Das ist Alleinstellungsmerkmal genug. Irgendwie kommt mir eine Familie ausgewogener vor, wenn es eben nicht nur Männer und eine Mama gibt, sondern auch ein Mädchen.

Na, dann wird es ja dieses Mal hoffentlich ein Mädchen!

So sehen das übrigens auch die Asiaten, die ja stets darauf bedacht sind, Yin und Yan in Ausgleich zu bringen. Als wir vor zwei Jahren in Thailand unterwegs waren, haben wir gemerkt, wie wichtig es den Thais ist, Gegensätze schon im Essen zu vereinen. Und auch in einer Familie ausgewogen zu sein. „Two Boys?“, da schlagen die sonst so zurückhaltenden Thais die Hände über dem Kopf zusammen. Die Lösung ist ebenso schnell geliefert; „You need another baby – a baby girl!“ Im Kulturschock Thailand Reiseführer las ich, dass so auch die vielen Ladyboys in Thailand erzogen werden. Ist das jüngste Kind in einer Familie kein Mädchen, wird es eben einfach viel mädchenhafter erzogen.

So ist es in unserem Kulturkreis natürlich nicht. Und dennoch: Schon als ich verkündete schwanger zu sein, bekam ich häufig zu hören. „Na, dann wird es ja dieses Mal hoffentlich ein Mädchen“. Vor allem Leuten, die uns überhaupt nicht nahe stehen, reagierten so.

Unser Kind ist perfekt

Als Mutter spürte ich sofort den Impuls, mein ungeborenes Kind zu verteidigen. Nein, nein. Natürlich hätten wir irgendwie gerne ein Mädchen. Aber ebenso sehr freuen wir uns natürlich über einen Jungen. Denn als Mama spürt man doch schon in der frühsten Schwangerschaft vor allem eines: Dass dieses Baby genau so richtig ist, wie es ist. Dass es perfekt ist. Ganz egal, was ist. Den Spruch von „Hauptsache gesund“ wollte ich gegenüber diesen distanzlosen Fremden überhaupt nicht bemühen.

Vom Wünschen und dem wahren Glück

Überhaupt,  woher sollen wir eigentlich wissen, was das richtige für unsere Familien ist? Was wir uns wünschen sollen? Als ich das erste Mal schwanger war, dachte ich, bestimmt Mutter eines Mädchens zu werden. Es war gar nicht unbedingt mein Wunsch, ich konnte mir nur einfach gar nichts anderes vorstellen. Und dann? Dann kam der Hamburger Jung. Und eroberte unsere Herzen im Sturm. Meine Erfahrung: Oftmals wissen Noch-Nicht-Mamas überhaupt nicht, wie tief gerade die Bindung zwischen Müttern und Söhnen ist. Wie sehr die Jungs an ihren Mamas hängen und welch‘ unfassbar wundervolles Geschenk sie für eine Mutter sind.

Dann wurde ich wieder schwanger. Und als kleine Schwester eines großen Bruders dachte ich sofort: Dieses Mal wird es bestimmt ein Mädchen. So ist das doch in 2-Kind-Familien: Es gibt einen Jungen und ein Mädchen. Dass in unserem Umfeld Jungs vor allem Brüder und Mädchen vor allem Schwestern bekommen, war mir bis dahin noch nie so aufgefallen. Und wer bereicherte schon neun Monate später unsere Familie? Der Hamburger Knirps. Noch ein Junge!

Gleichgeschlechtliche Geschwister sind ein Glück füreinander

Welch ein Glück, sage ich dazu heute. Nicht nur, weil der Hamburger Knirps unser über alles geliebte Kind ist, dass wir natürlich niemals gegen ein anderes Kind (auch nicht mit Zöpfen) tauschen würden. Sondern auch, weil ich mich täglich daran erfreue, was für ein Glück gleichgeschlechtliche Geschwister füreinander bedeuten. Würde eine kleine Schwester mit dem Hamburger Jung Ritterburgen bauen? Würde sie mit ihm mit dem Laserschwert (das eigentlich ein Stock ist) kämpfen? Autos in langen Schlangen quer durch unser Wohnzimmer aufbauen? Wohl eher nicht!

Und nun? Nun bekommen wir ein Mädchen. Zwei große Brüder und eine kleine Schwester. Klingt in der Theorie doch ganz wunderbar. Und schon beschleichen mich Zweifel. Kann ich überhaupt Zöpfe flechten, stundenlang am Maltisch sitzen und geduldig rosa Kleidchen mit Glitzer kaufen bis auch diese Phase vorbeigeht? Wird in der Praxis gut, was wir uns in der Theorie als gut vorstellen können? Wo uns das Leben doch bisher immer mit dem Gegenteil überrascht hat? Ja, natürlich wird es gut. Mehr noch: Es wird perfekt. Weil auch unser drittes Kind perfekt ist.

Es ist … unser Kind!

Und bitte, versteht mich nicht falsch! Ich finde es wunderbar, wie sehr sich unsere Familie und unsere Freunde mit uns auf dieses Mädchen freuen. Nur diese aufdringliche Reaktion von Fremden, die glauben zu wissen, was das Beste für unsere Familie wäre, wird mir immer fremd bleiben und mich ein wenig ärgern. Und neulich, als eine Frau  mir im Vorbeigehen zurief: Und was wird es? Hoffentlich nicht noch ein Junge? Da konnte ich es nicht lassen. Und rief ihr hinterher: Es wird unser Kind und das ist schon gut so!

 

P.S. Einen der lustigsten Artikel, die ich jemals zur Geschlechterfrage bei Babies und in diesem Fall zu „drei Jungs“ gelesen habe ist übrigens dieser hier von Claudi in ihrem Blog „Was für mich“

 

5 Kommentare

  1. Miriam sagt

    Liebe Ute,

    ja, ich freue mich sehr für Euch, dass es ein Mädchen wird! Aber: Ich ärger mich mit Dir über diese Denke, mit der man als Mutter mehrerer Kinder überall ungefragt konfrontiert wird… Und zwar, obwohl – oder vielleicht gerade weil – uns das „Meisterwerk“ gelungen ist, zuerst ein Mädchen und dann einen Jungen zu bekommen. Diese Tatsache wurde von fast jedem, der mich in der zweiten Schwangerschaft nach dem Geschlecht des Kindes fragte, lobend kommentiert als sei es unsere persönliche Leistung, dass wir das so toll hinbekommen hätten. Dass ich selbst vorher eigentlich immer dachte, ich bekomme (und hätte auch gerne!) zwei Mädchen und mich selbst erst einmal innerlich daran gewöhnen musste, dass nun ein Junge hinterher kommt, sorgte für völliges Unverständnis. Ich bin sehr sehr glücklich über diesen kleinen Jungen und glaube auch, dass nicht nur er als wundervolle Person mich und uns sehr bereichert sondern auch diese Konstellation wirklich schön ist. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der alle sich wünschten, dass einem Mädchen nun bitte ein Junge folgen solle und dass es nichts Tolleres gäbe als eben das, hat mich überrascht und ja – auch geärgert…
    Interessant finde ich übrigens dann noch, dass im Umkehrschluss alle automatisch denken, dass in unserem Fall dann nach zwei Kindern aber auch auf jeden Fall Schluss ist. Wobei: Besser, als wenn ein Vater von vier Jungs mir erzählt, wenn sie nach dem dritten gewusst hätten, dass es wieder ein Junge wird, hätten sie lieber gleich aufgehört.

    Schönen Abend Euch und liebe Grüße
    Miriam

    • Ute
      Ute sagt

      Liebe Miriam,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ist doch wirklich spanend, dass es vielen so ergeht wie uns. Anzunehmen, dass man mit der Familienplanung durch ist, sobald beide Geschlechter vorhanden sind, ist ja wirklich noch eine Steigerung der Unverschämtheit.
      Herzliche Grüße
      Ute

    • Ute
      Ute sagt

      Hi Katarina,
      … und ich kann mir vorstellen wie groß dein dringender Bedarf jetzt gerade nach einem weiteren Kind / Jungen ist, beim zarten Alter deiner süßen Mädels 😉
      Lieben Gruß
      Ute

  2. „Würde eine kleine Schwester mit dem Hamburger Jung Ritterburgen bauen? Würde sie mit ihm mit dem Laserschwert (das eigentlich ein Stock ist) kämpfen? Autos in langen Schlangen quer durch unser Wohnzimmer aufbauen? „. Ja, das würde sie machen. 🙂 Ich hab mit meinem Bruder stundenlang so im Wohnzimmer gespielt.

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