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Mutter-Kind-Kur: Ein Erfahrungsbericht

Manch einer von euch wird sich gefragt haben: Was macht Ute solange in Bayern? Wir machen eine Mutter-Kind-Kur. Und endlich scheinen unsere Tage die langersehnten 48 Stunden zu haben …

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Stundenlang Steine ins Wasser werfen, das geht bei einer Mutter-Kind-Kur

 

Eltern sein ist anstrengend

Kraft tanken, Ruhe und Erholung finden – mit diesen Zielen bin ich zur Mutter-Kind-Kur nach Bayern gefahren. Bäder, Massagen, Sport und Entspannung sollen mir dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Die Kinder werden betreut, das Essen steht drei Mal täglich auf dem Tisch. Dazu atme ich jede Menge bayrische Landluft und wundere mich, wie still es sein kann.

Denkt ihr jetzt: Wow, das will ich auch? Die gute Nachricht ist: Ihr könntet sehr wahrscheinlich, wenn ihr wirklich wollt. Krankenkassen genehmigen Eltern zu ihrer Erholung in der Regel alle vier Jahre eine Mutter/Vater-Kind-Kur. Alleinerziehenden auch alle zwei Jahre. Grob gesagt: Weil Eltern sein nun mal anstrengend ist.

Es gibt Kuren zur Rehabilitation und Kuren zur Vorsorge. Und Hunderte von Kurkliniken in der ganzen Republik, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten verschrieben haben: Überlastung, Burn-Out, Rückenprobleme, Migräne, Depressionen, Atemwegserkrankungen, Reaktionen auf schwere Belastungen wie Trennung, Erkrankungen und, und, und. Manchmal sind die Mütter die „Patienten“, manchmal die Kinder, manchmal beide.

Ich bin doch nicht krank!

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Schaut, wie rund mein Bauch hier schon geworden ist. Fotograf übrigens: Hamburger Jung!

Ich muss „Patienten“ in Anführungsstriche schreiben, weil es mir schwer fällt, mich selbst als Patient zu sehen. Ich bin doch nicht krank! Ich schaffe doch immer alles und habe genug Energie für alles: Für einen 28-Stunden-Job, für meine zwei Kinder, für meinen Mann, für Sport, für meinen Blog. Ich habe soviel Energie, dass wir uns sogar für ein drittes Kind entschieden haben. In der Gewissheit: Das schaffen wir auch noch!

Seitdem ich schwanger bin, merke ich jedoch: Ich habe meine Kraft sehr gut eingeteilt, so dass es gerade so reicht – für alles, was mir wichtig ist und alles, was sein muss: Für die Kinder, den Job, den Blog, den Sport, die Wäsche und, und, und. Wenn jetzt mein Körper einen Großteil seiner Energie darauf verwendet, ein Baby heranreifen zu lassen, dann ist dies schlichtweg das Tröpfchen zu viel.

Zusätzlich hatte ich einen schweren Einstieg in die Schwangerschaft – mit Schwangerschaftsübelkeit vom Schlimmsten. Wenn ein armer Körper in sechs Wochen fast 10 Kilo vom vielen Übergeben abnimmt und in drei Wochen zehn (bis zwölf 😉 ) wieder zunimmt, ist auch das anstrengend. Die Krankenkasse hat auf Empfehlung meiner Gynäkologin also schnell und problemlos eine Mutter-Kind-Kur genehmigt.

Und nun bin ich hier, in der Kurklinik Lindenhof in Bayerbach, 50 Kilometer von Passau entfernt, zur Vorsorge. Damit ich auch während meiner Schwangerschaft gesund bleibe.

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Innenhof der Kurklinik Lindenhof – mit zwei Hamburger Jungs

Und: Wie ist es? Es ist herrlich!

Jeder Morgen beginnt mit einem Frühstück. Ein Frühstück, für das ich nichts, aber auch gar nichts tun muss. Nicht einkaufen, nicht Tisch decken, nicht abwaschen – lediglich ein bisschen Brötchen schmieren und Obst schneiden, wird mir zugemutet. Danach schlendere ich mit meinen Jungs entspannt zurück aufs Zimmer. Kein Gehetze, kein „schnell, schnell“, kein „die Kita frühstückt gleich“, kein „ich muss ins Büro“. Stattdessen putzen wir nochmal in aller Ruhe die Zähne, malen ein bisschen, spielen mit den Kasperlefiguren und lassen uns so viel Zeit wie wir haben bis ich meinen ersten Termin habe – oder auch einfach mal dringend lesen, schreiben oder spazieren gehen möchte.

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Kinderbetreuung in der Mutter-Kind-Kur

Die Kinder werden hier in der Woche bis zum späten Nachmittag flexibel betreut. Ich kann sie bringen, wann ich möchte und abholen, wann ich möchte. Ich kann sie auch vormittags kurz bringen, zum Mittagessen rausholen und am Nachmittag wieder abgeben. Auch, wenn ich das nur selten mache.

Hamburger Jung und Hamburger Knirps haben mittlerweile Freunde gefunden und finden es einigermaßen okay, auch im Urlaub in die Kita zu gehen. Wobei wir hier eigentlich gar nicht von Kita sprechen. Sondern von der Villa Kunterbunt. Denn „Kunterbunt“, so heißt die Gruppe, in der hier die 3-6-Jährigen betreut werden. Sie malen, basteln, singen, gehen auf den Spielplatz, machen Schatzsuchen durch das ganze Dorf, feiern Indianerfest im Tippie, spielen Fußball, dürfen entscheiden, ob sie bei diesem oder jenem Sportangebot dabei sein wollen. Ich denke meine Jungs könnten es im Robinson Club nicht viel besser haben.

Zwischen Bädern, Massagen und Aqua Gymnastik

Schwimmbad Mutter-kind-Kur

Ja, es ist genauso entspannend wie es aussieht

Ich derweil könnte es auch nicht viel besser haben: Warme Fango-Packungen lockern meine Muskulatur im Rücken, Massagen wirken gegen einen verspannten Nacken. Ich walke durch die herrliche bayrische Landschaft, ziehe Bahnen durch das hauseigene Schwimmbad und plansche in wunderbar warmen Badewannen mit Lavendelzusatz. Zugegeben, wenn ich nicht schwanger wäre, könnte ich hier noch weitaus mehr Anwendungen genießen. Lange musste ich meine vorsichtigen Ärzte überreden, dass ich jetzt auch mal zur Aqua Gymnastik darf. Und hätte ich nicht einen kugelrunden Bauch, dürfte ich bestimmt auch jeden Morgen kneippen wie die anderen Mamas und Papas und mich herum. Oder noch besser: Ich dürfte bei einer Unterwasserstrahlmassage im Hydro-Jet entspannen.

Wann eine Mutter-Kind-Kur anstrengend sein kann …

Bevor Ihr gleich zu Eurem Arzt lauft, lasst mich Euch noch zurufen: Nicht alle sind so begeistert wie ich. Es gibt auch Mütter, die schimpfen. Über die Klinik, die anderen Mütter, das Essen, das viel zu kleine Dorf, über was weiß ich. Viele Kinder sind hier krank geworden. Überregionale Viren scheinen eine noch stärkere Herausforderung für das Immunsystem zu sein als die regionalen Kita-Viren. In unserem Fall kommt natürlich noch die Jahreszeit dazu. Temperaturen zwischen Minus 2 und 17 Grad sind ein guter Nährboden für Erkältungen. Selbst meine Jungs, sonst dauergesund, lagen hier einige Zeit mit Fieber im Bett. Dann fallen natürlich jegliche Anwendungen für die Mama aus. Und seid Euch darüber im Klaren: Wenn die Kleinen krank werden und an den Wochenenden, seid ihr im Dauereinsatz. In der Regel ist dann anders als zuhause kein Papa, keine Oma, kein Babysitter da. Besonders für Eltern mit Babies und sehr kleinen Kindern, die noch nicht oder kaum in der Betreuung abgegeben werden können, kann das sehr anstrengend sein.

Es tut unfassbar gut, umsorgt zu werden

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Dem Himmel entgegen – in der Vogelnest-Schaukel

Für mich jedoch gilt: Es ist sehr wohltuend und ein fast vergessenes Gefühl, dass sich alles um mein Wohlergehen dreht. Und es tut unfassbar gut, umsorgt zu werden, wenn man sonst immer nur andere umsorgt.

Verrückt übrigens: Obwohl ich hier so viel Zeit für mich selbst habe, habe ich gefühlt auch viel mehr Zeit für die Kinder.  Wir gehen jeden zweiten Abend für ein Stündchen ins Schwimmbad, wir lesen die dicksten Bücher für den Hamburger Jung und eine Millionen Mal die gleichen Bilderbücher für den Hamburger Knirps, wir spielen Memory bis zum Gedächtnisverlust, wir puzzeln und puzzeln, wir gehen zum Eltern-Kind-Sport, zur Märchen- und Bastelstunde. Wir drei haben ein Theaterstück einstudiert. Und als der Hamburger Papa uns besucht hat, haben wir es ihm zu Ehren im großen Sportraum auf der Bühne aufgeführt.

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Theater spielen ist eine ernste Angelegenheit, sieht man, oder?

Die Zeit plätschert hier langsam dahin. Mein Bauch wächst und gedeiht. Endlich spüre ich mehrmals am Tag die Tritte, habe ein Gefühl dafür, wie das Kind liegt, einfach weil ich die Zeit dafür habe. Endlich wache ich morgen wieder erholt auf. Weil ich so regelmäßig esse und nichts anstrengend ist, ist mir überhaupt nicht mehr schlecht. Ich genieße meine Zeit. Die Zeit mit meinem Babybauch. Und die Zeit mit meinen Kindern. Ohne Haushalt, Job und Alltag scheint der Tag endlich 48 Stunden zu haben …

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Auf Mutter-Kind-Kur sind Eltern und Kinder sich besonders nah

 

Ihr wollt mehr über Mutter-Kind-Kuren wissen? Ich habe die Geschäftsführerin des Mütter-Genesungswerks Anne Schilling befragt. Das Interview könnt ihr hier nachlesen.

7 Kommentare

  1. Christiane sagt

    Wow, toll! Danke für den Bericht. Ich habe das auch schon ein paar Mal überlegt und sogar mein Arzt hat mir mal dazu geraten, aber ich konnte mich irgendwie noch nicht durchringen … erhol dich gut. LG!

  2. Katharina sagt

    Ich war vor zwei Jahren auf einer Mutter-Kind-Kur und würde auch sofort wieder fahren! Sehr schön beschrieben!

  3. Danke, wenn ich das so lese freue ich mich sehr auf unsere Mutter-Kind-Kur im Januar. Da kann es dann zwar auch sein, dass die Mädels mal krank werden, aber hey selbst wenn es dann keine Anwendungen mehr gibt, fällt wenigstens das Kochen und Putzen weg, also sehe ich da keinen Nachteil im Gegensatz zu Zuhause. Hier nimmt mir auch keiner die kranken Kinder ab und mein Mann arbeitet in Schicht.

    Liebe Grüße
    Ella

    • Ute Vaut
      Ute Vaut sagt

      Liebe Ella, wie schön! ich wünsche Euch eine wunderschöne Zeit. Ich könnt auch glatt mal wieder (muss aber noch drei Jahre warten 😉 Genießt es! Lieben Gruß, Ute

  4. Diana Stange sagt

    Vielen lieben Dank für diesen schönen Bericht, ich fahre im Oktober genau dort hin und freu mich jetzt umso mehr auf diese Kur.
    Lieben Gruß Diana

    • Ute Vaut
      Ute Vaut sagt

      Oh wie schön! Ich wünsche Euch eine tolle, erholsame Kur mit viel Quality-time für dich alleine und für euch zusammen! Und ich drücke euch die Daumen, dass die Kinder schön gesund bleiben und von den Kur-Viren verschon bleiben. Das wird schon!

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